Informationen zur Taube

Als Brieftauben werden Haustauben bezeichnet, die heute hauptsächlich für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet werden. Die Brieftaubenzüchter verstehen ihr Hobby im Allgemeinen als Sport, ähnlich dem Pferde- und Hundesport. Früher wurden Brieftauben verwendet, um Nachrichten zu übermitteln; die Taubenpost war der Anfang der Flugpost.

Nachrichtenübermittlung und Heimfindevermögen

Zum Transport einer Botschaft muss eine Brieftaube von ihrem Heimatschlag an den Abflugort gebracht werden, wo sie bis zu ihrem Einsatz festgesetzt wird. Die Nachricht wird auf einem zusammengerollten Zettel am Fuß, Kopf, oder auch in einem Behältnis am Fuß oder Rücken der Taube befestigt. Nach dem Auflass fliegt sie auf direktem Weg zu ihrem Heimatschlag zurück, wo die von ihr mitgebrachte Botschaft in Empfang genommen werden kann.

Eine vollständige Erklärung des Heimfindevermögens der Brieftauben ist bis heute noch nicht gefunden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Brieftauben wie auch Zugvögel den Stand der Sonne und Sterne sowie das Magnetfeld der Erde als Kompass verwenden können und außerdem optische Anhaltspunkte zur Orientierung nutzen. In jüngster Zeit wurde von Forschern ein Sensor des Magnetsinns aus den Eisenoxyden Maghämit und Magnetit in Nervenzellen am oberen Teil des Schnabels von Brieftauben nachgewiesen, mit dem sie die Stärke des Magnetfeldes der Erde messen und damit ihre geographische Position bestimmen könnten.

 

Brieftauben waren vor der Erfindung des Telegraphen oder bei Fehlen einer Drahtverbindung praktisch die einzige Möglichkeit, Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Zudem konnten Tauben Nachrichten auch ohne Aufsehen über feindliche Stellungen hinweg transportieren. Dazu mussten sie allerdings zuvor vom gewünschten Zielort herbeigeschafft sein, was naturgemäß schwierig war. Historische Beispiele für einen Langstreckeneinsatz von Brieftauben sind die Taubentürme der Republik von Genua im Mittelmeer oder die Übermittlung der Nachricht vom Sieg in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 an die britische Regierung. Reuters begann seinen Pressedienst mit Brieftauben. Vor dem Ersten Weltkrieg versuchten die russische und die britische Regierung eine Brieftaubenverbindung zwischen Libau und Dünkirchen aufzubauen (mit Esbjerg in Dänemark als Zwischenstation). Dieser Versuch schlug ebenso fehl wie der einer Linie zwischen Odessa und dem französischen Protektorat Tunis. Auf Kurzstrecken wurden Brieftauben im Grabenkrieg des Ersten Weltkriegs auf deutscher wie auf französische Seite eingesetzt, wenn Telefon- und Telegrafenleitungen zerstört und optische oder drahtlose Telegrafie ebenso wenig möglich waren wie eine Übermittlung durch Melder.

 

Brieftaubensport

Organisation

Heute werden Brieftauben fast ausschließlich für sportliche Wettbewerbe gehalten und gezüchtet. Die Züchter schließen sich in Brieftaubenzuchtvereinen zusammen, welche wiederum Reisevereinigungen bilden, die den eigentlichen Wettbewerb durchführen. Dachorganisation des Brieftaubensports in Deutschland ist der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. mit Sitz in Essen.

Mutterland des Brieftaubensportes ist Belgien. Hochburgen sind neben Belgien auch die Niederlande und Deutschland, besonders das Ruhrgebiet. Dort heißen die Brieftauben auch „Rennpferde des kleinen Mannes“, der Taubenzüchter nennt sich "Taubenvatta". Dabei können wertvolle Zuchttiere durchaus mehrere tausend Euro kosten.


Wettbewerbe

Bei den Wettbewerben werden die Tauben mit einem Speziallastwagen (Kabinenexpress, kurz „Kabi“) zu einem etwa 100 bis 1000 Kilometer vom Heimatort entfernten „Auflassplatz“ transportiert, von wo sie ihren Heimflug antreten, wenn die Witterungsverhältnisse dies erlauben. Die Auflassentscheidung liegt in der Verantwortung eines vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter zertifizierten Flugleiters, der dazu detaillierte Informationen über die Wetterverhältnisse auf der gesamten Flugstrecke einholt. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen, insbesondere bei Regen, Gewitter oder Nebel, wird der Auflass verschoben oder der Flug ganz abgesagt. Die Ankunftszeiten der einzelnen Tiere im heimatlichen Taubenschlag wurden früher mit einer Konstatieruhr registriert. Heute übernimmt diese Aufgabe ein elektronisches Konstatiersystem. Nach dem Wettflug werden die Daten zur Auswertung und Erstellung der Ergebnisliste („Preisliste“), in der sich 33 Prozent der eingesetzten Tiere platzieren, an ein Rechenzentrum übergeben.

Den Zeitraum zwischen der Ankunft der ersten und der letzten Taube, bzw. die einzelnen Platzierungen in der „Preisliste“, bezeichnen die Taubensportler als „Konkurs“.


Ringkennzeichen einer Brieftaube

Die Identifikation der einzelnen Taube geschieht mittels eines geschlossenen Nummernringes, der ihr für gewöhnlich in der 2. Lebenswoche am rechten Fuß aufgezogen wird und dort ein Leben lang verbleibt. Die Farben der Ringe wechseln jedes Jahr.

Verirrte Brieftauben können mit Hilfe dieser Fußringnummer im Internet gemeldet werden. In der Regel tragen Brieftauben zusätzlich auch am linken Fuß einen Ring mit der Telefonnummer des Eigentümers.

Wettflüge werden sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene organisiert. Die Flugsaison reicht für die mehrjährigen, erfahrenen Brieftauben („Alttauben“) etwa von April bis Juli und für die Jungtauben von August bis September. In dieser Zeit nehmen die Alttauben an bis zu 14 Preisflügen teil. Die Jungtauben absolvieren bis zu 5 Preisflüge. Die Alttauben legen pro Flug Entfernungen von 150 bis 1000 km zurück, Jungtauben nur bis zu 200 km. Dabei erreichen sie durchschnittliche Fluggeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h.

Zur besonders schnellen Rückkehr werden die Tauben motiviert, wenn im Heimatschlag ein Gelege zu bebrüten bzw. Jungtauben zu füttern sind („Nestmethode“) oder wenn die nach Geschlechtern getrennt gehaltenen Brieftauben bei der Rückkehr ihren Partner vorfinden („Witwerschaftsmethode“).


Leistungsfähigkeit 

Zur Absolvierung von bis zu 14 Preisflügen mit zum Teil bis zu 1400 km Entfernung benötigen die Tauben enorme Energiereserven. Diese gewinnen sie größtenteils aus ihren Fettreserven. Viele Züchter behaupten, jedes Gramm Fett zu viel sei eine Belastung. Auf kurzen Flügen mag dies richtig sein. Da aber bei den meisten Reisevereinigungen wöchentlich Preisflüge anberaumt sind, wobei die Distanz grundsätzlich steigend ist, wird den Tauben permanent eine stetig wachsende Leistung abverlangt.

Für die Tauben wird es von Preisflug zu Preisflug schwerer, die verbrauchten Energiereserven zu erneuern.

Durch Überwachung der Energiereserven mittels Kontrolle der Gewichtszunahme und -abnahme während einer kompletten Flugsaison wurde festgestellt, dass die Tauben im Laufe einer Woche zwischen 25 und 50 Gramm an Gewicht zunehmen können und das gleiche Gewicht während eines Preisfluges verlieren.

Die größte Herausforderung ist es also, das während eines Preisfluges verlorene Gewicht innerhalb einer Woche wieder "anzufüttern". Nur wenn dies gelingt, ist die Taube in der Lage, die volle Leistungsfähigkeit während der kompletten Flugsaison beizubehalten.

Tauben, bei denen die Gewichtszunahme nur unzureichend gelang, versagten in der Regel spätestens beim übernächsten Preisflug. Um das optimale Gewicht wieder zu erreichen, bedurfte es dann einer längeren Schonung, was bedeutet, dass die Taube für die nächsten drei bis vier Preisflüge ausfällt, wenn nicht sogar für den Rest der Flugsaison.

Für eine optimale Gewichtszunahme in dieser kurzen Frist ist also eine fettreiche Nahrung unerlässlich. Diese besteht zusätzlich aus Sämereien, Hanf und Erdnüssen. Ein großer Fehler ist, die Tauben sparsam zu füttern. Ein randvoller Kropf ist ein Garant für fitte und schnelle und vor allem für beständige Tauben.

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